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  • Maren

Die Wirkung von Bildern auf Kinder

Aktualisiert: Juli 13

Ende Juni hatte ich das große Glück "liebevolle Kinderjahre" bei der Institutseröffnung in Beierfeld vorstellen zu dürfen. Den ganzen Tag verweilte ich in den Räumen und hatte viele Gelegenheiten mit anderen Eltern und Besuchern ins Gespräch zu kommen. Neben sehr vielen pädagogischen Themen stellte die Künstlerin Bärbel Bitterlich in allen Räumen ihre Werke aus. Überall an den Wänden, auf den Fensterbrettern oder auf den Böden waren Bilder, Plastiken und andere künstlerische Arbeiten zu bewundern.



Die Bilder sind sehr fantasievoll und voller Wärme und märchenhafter Motive. Jedes Bild zieht einen in den Bann. Ab und zu konnte ich Gespräche zwischen der Malerin und Gästen belauschen, in denen Fragen zur Aussage der Bilder gestellt wurden. Jeder hatte ein völlig anderes Empfinden. Einige Besucher haben sich auf Anhieb in eines der Bilder verliebt und philosophierten über einen möglichen Platz in den eigenen vier Wänden.



Kurz vor meiner eigenen Präsentation nutzte ich die Stille in einem kleinen Raum, in dem es ein Buffett gab, um ein bisschen meine Gedanken zu sammeln. Nach einer kurzen Weile hörte ich einen Jungen (etwa 11 Jahre alt), der aufgeregt mit seiner Mutter nach einem ganz bestimmten Zimmer suchte, um ihr ein Bild zu zeigen. Es war tatsächlich in dem gleichen Raum zu finden, in dem ich gerade meine Pause machte. Was für ein Glück, denn so hatte ich die Möglichkeit Zeuge eines besonderen Momentes zu sein. An der Wand hing ein Bild, auf dem eine Sanduhr mit kleinen Figuren zu sehen war.

Der Junge erklärte seiner Mutter voller Überzeugung seine Deutung des Bildes. "Schau mal, da fällt der Mann in die Sanduhr hinein. Er ist noch ganz jung. Und hier siehst du wie alt er geworden ist, als er unten in der Sanduhr angekommen ist. Das ist die Zeit. Die anderen werfen Bücher hinein, damit er lesen kann."




Es hat mich so beeindruckt, dass ein Junge in diesem Alter solch eine Aussage über ein Bild treffen konnte. Ehrlich gesagt, hätte ich noch nicht einmal damit gerechnet, dass er die Bilder tiefer betrachtet. Direkt neben diesem Bild stand der Basteltisch für die jüngeren Besucher. Scheinbar hatte er, vertieft in seiner Bastelarbeit, einige Zeit dieses Bild zu betrachten. Es hatte eine so starke Wirkung auf ihn, dass es für ihn undenkbar war, die Ausstellung zu verlassen, ohne seiner Mutter von seinen Eindrücken zu berichten.



Hier sieht man einmal, wie fantasievoll und tiefgründig unsere Kinder Dinge wahrnehmen und zu welch bewegenden Aussagen tief aus ihrem Herzen sie fähig sind. Umso mehr, war dies ein Moment, der mir gezeigt hat, wie wichtig auch die künstlerische Bildung, das Verweilen vor Bildern für Kinder sein kann. Man muss ihnen die Werke gar nicht erklären. Sie sehen oft so viel mehr in ihnen, als wir uns vorstellen können.

Es lohnt sich auf jeden Fall einmal eine künstlerische Ausstellung oder Bildermuseen mit Kindern zu besuchen, in denen sie Zeit haben sich einem Bild mit voller Aufmerksamkeit zu widmen. Dabei ist es völlig unwichtig, ob sich die Kinder sofort auf Anhieb für die Bilder interessieren. Kinder werden von Werken ergriffen, die ihre Seele berühren und tief in ihrem Inneren eine Saite zum klingen bringen. Ich gehe ganz stark davon aus, dass dem oben beschriebenem Jungen auch nicht zu jedem der Bilder solche Geschichten eingefallen wären. Jedoch hatte dieses Eine eine so starke Wirkung auf ihn, dass er es lange betrachtet haben muss.

Inziwschen gibt es viele Museen, die sich auch schon auf jüngere Besucher einstellen und ihnen eine Welt außerhalb unserer täglichen Realität zeigen.


Bilder der Malerin und Informationen zu kommenden Veranstaltungsorten findet ihr unter: www.maerchen-galerie.de

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