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  • Maren

Gemeinsam kochen- Geschmacksvielfalt erweitern

"Ich mag kein Gemüse!" "Nein, das Grüne da will ich nicht essen." Sätze wie diese gehören heute in den Familienalltag. Aus irgendeinem Grund werden Kinder immer mäkeliger und essen sehr einseitig.

Die Auswahl fällt häufig nur noch auf Spagetti mit Tomatensoße, Hähnchennuggets oder Pizza.


Wäre es nicht wunderbar, wenn Kinder vieles essen würden und wir nach Lust und Laune kochen könnten?



Oft habe ich in meinem Berufsalltag mit Grundschulkindern am Tisch gesessen und festgestellt, dass vieles gar nicht oder nur wiederwillig gegessen wird. Manche Kinder schütteten ihr Essen ganz weg. Ganz zu schweigen davon, welche Verschwendung diese Art mit Essen umzugehen ist, stand für mich fest, dass meine Kinder nicht zu solchen Essensverweigerern werden sollen. Ich wollte nach wie vor alles kochen, worauf wir Lust haben und nicht das Mittagessen durch Nudeln mit Tomatensoße ersetzen. Dies war eine Vorstellung, die ich vor meinem ersten Kind eisern verteidigt habe.



Dann kam 2017 mein erstes Kind zur Welt und ich begann mich zu fragen, wie mir das gelingen kann, wo doch jedes zweite Kind so schlecht isst. Freunde erklärten mir schnell, welch Illusion ich mit meinem Wunsch erliege und dass ich bald merken werde, dass es einfach eine typische Phase ist, durch die die Kinder durch müssen.

So ganz wollte ich es nicht hinnehmen und habe begonnen mich über das Thema Ernährung zu informieren.


Inzwischen ist mein ältestes Kind über 3 Jahre alt und isst nach wie vor alles. Nun sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben, denn zur Kindheit gehören ja ein paar Jährchen mehr.

Dennoch bin ich ungeheuer stolz und froh, dass wir nach wie vor eine große Vielfalt an Essen auf den Tisch stellen können und sogar Salat gerne gegessen wird.

Doch auch uns gelang das nicht so ganz nebenbei.



Franszösische Kinder sind kleine Gourmets- Konzept als Vorbild


Als meine große Tochter auf die Welt kam, habe ich aus Neugierde die Stillzeiten zum Lesen vieler Fachbücher und Erziehungsratgeber genutzt. Dabei bin ich auf das Buch: "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind" von Pamela Druckermann gestoßen. Ein recht umstrittenes Buch, wie ich in vielen Foren immer wieder feststellen musste. Dennoch hat es für mich eine Wende im Denken gebracht.


Die Autorin Pamela Druckermann, selbst Amerikanerin, beschreibt das Bestreben der Franzosen, ihre Kinder zu kleinen Gourmets zu erziehen, welche sich im Restaurant benehmen und genau wie Erwachsene aus der Menükarte wählen können. Dies wird von der französichen Regierung unterstützt, indem schon in den Kindergärten ein reichhaltiges Menü angeboten wird.

Das heißt natürlich noch nicht, dass Kinder deshalb alles essen. Das Geheimnis liegt darin, dass Kinder hungrig zu Tisch kommen. Sprich, die vielen Gelegenheitssnacks über den Tag fallen weg. Französische Mütter sieht man kaum auf Spielplätzen mit Packungen von Fingerfood oder Snacks für Zwischendurch.



Es gibt feste Mahlzeiten, die in der Regel gemeinsam eingenommen werden.

Zu Tisch werden 3 Gänge serviert. Dabei kommt zuerst Gemüse auf den Tisch, später der Hauptgang und als Nachspeise gibt es verschiedene Käsesorten, Obst oder eine kleine Süßspeise.

Klingt erst einmal aufwändig, fand ich. Tatsächlich ist mir die Dreigänge- Regelung auch nur bedingt gelungen. Dennoch habe ich festgestellt, dass alleine die Tatsache, dass Kinder mit Hunger an den Tisch kommen, viel ausmacht. Kinder sind eher bereit vom Essen zu probieren und entwickeln dabei ihren Geschmack. Sollte ein Gemüse nicht auf Gegenliebe stoßen, geben die Franzosen nicht einfach auf, sondern servieren es in der kommenden Woche in einer anderen Konsistenz oder Zubereitung noch einmal.



Dieses Konzept fand ich spannend und habe es schon mit Einführung der Beikost ausprobiert. Tatsächlich aß meine Tochter alle Gemüsesorten nach und nach immer lieber. Natürlich nicht sofort. Es war einiges an Kreativität gefordert, immer neue Varianten anzubieten. Heute habe ich jedoch- bis jetzt- beide Mädchen dazu gebracht, alle Speisen die auf den Tisch kommen, zu probieren und in der Regel auch gerne zu essen.


Ein interessanter Rat aus dem oben genannten Buch war auch, dass man viel mit Kindern über Essen sprechen soll. Nicht nur: "Schmeckt es dir?", sondern "Nach was schmeckt der Blumenkohl?, Ist es knusprig?, ..." Auch Geschmacksspiele fließen in den französischen Alltag ein, indem in den Familien verschiedene Apfelsorten gekostet werden und herausgefunden wird, welcher am sauersten ist.

Hier merkt man, dass Essen ein wichtiger Teil der französichen Gesellschaft ist. Auch ich genieße es sehr, dass wir überall problemlos hinfahren können und sicher sind, etwas zu essen für unsere Kinder zu finden. Auch Oma und Opa müssen sich bei unseren Besuchen nicht groß umstellen, sondern kochen, was sie sowieso gerne kochen würden.


Zusammen kochen weckt Freude und Neugierde am Essen


Wann immer bei uns die Zeit zur Verfügung steht, beziehe ich meine Mädchen ins Kochen mit ein.


Dabei lernen sie nicht nur die unterschiedlichen Zutaten kennen sondern werden auch in der Zubereitung und dem Umgang mit Küchenutensilien geübt.



Und selbstzubereitetes und abgeschmecktes Essen findet selbst bei den mäkeligsten Kindern Zuspruch.



Hierbei wird auch der Grundstock gelegt, Essen eine Bedeutung zu zumessen. Mahlzeiten werden nicht einfach nebenbei und im Stehen eingenommen, sondern sind ein wichtiger Bestandteil der Familienzeit. Hier entsteht Austausch, die Möglichkeit über Probleme ins Gespräch zu kommen und eine enge Familienbindung herzustellen. Ganz nebenbei entsteht die Liebe zum Kochen und gesunden Nahrungsmitteln.

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