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  • Maren

Naturverbundenheit lernen und sich in Geduld üben

Viele Kinder haben heute eine große Angst und Abscheu vor allem was krabbelt, fliegt oder summt. Auch in Kindergärten kommt es immer wieder zur Sprache, dass es vielen Kindern nicht mehr gelingt über einen Acker oder Waldweg zu laufen ohne ständig hinzufallen. Das liegt wohl daran, dass unsere Terminkalender kaum noch Gelegenheiten zulassen, in aller Ruhe in der Natur zu verweilen.

Umso entspannter empfinde ich es gerade, dass jeder kleine Sonnenstrahl uns vor die Tür lockt und einlädt die Natur zu beobachten.


Besonders faszinierend finde ich die Ruhe und Gelassenheit die plötzlich bei meinen Kleinen und mir entsteht, wenn sie Spinnen, Käfer, Bienen oder Schnecken beobachten.

Wir haben einen Stein im Garten entdeckt, auf dem sich viele Marienkäfer sonnen, Bienen im Blumenbeet nach Nektar suchen oder Schnecken ihren Ausflug planen.

Seit einigen Tagen werden meine Kinder davon magisch angezogen. Nachdem sie am Anfang eher vorsichtig waren und Angst hatten ein Tierchen käme ihnen zu nahe, wird jetzt bewusst die Hand ausgestreckt, damit das Käferchen drauf krabbeln kann.

Besonders meine große Tochter interessiert sich für viele kleine Details. Ich kann ihr in der Zeit der Beobachtung von den Unterschieden der Hummeln, Wespen und Bienen erzählen oder den Fühlern der Schnecke. Ganz häufig beobachte ich am Abend, dass sie das Gespräch darüber noch einmal sucht oder dem Papa von ihren Erlebnissen detailgetreu berichtet.


Natur lehrt Kindern Geduld- eine Tugend die immer mehr verloren geht


Kein Lebensraum außerhalb der Natur bietet so viel Anlass sich in Geduld zu üben. Eine Schnecke kommt nur ganz langsam aus ihrem Haus, die Blumen öffnen nach und nach ihre Kelche oder die Pflanzen sprießen in ihrem eigenem Tempo. Egal wie sehr man sich eine Beschleunigung wünscht, hier heißt es geduldig bleiben und beobachten. Geduld ist, an einer Sache dran zu bleiben, sich nicht durch andere Impulse ständig neuzuorientieren und von Fehlschlägen nicht entmutigen zu lassen. Das ist eine Eigenschaft, die vielen meiner heutigen Grundschüler abhanden gekommen scheint und sich in der freien Auseinandersetzung mit der Natur gut lernen lässt.

Je häufiger wir in Wald oder Garten ganz bewusst Tiere und Pflanzen beobachten, desto schneller gehen sie selbst auf Entdeckungsreise und man kann wieder ein klein wenig Zeit für sich gewinnen.


Achtsamkeit und Emapthie für andere Lebewesen


Kinder brauchen den Umgang mit der Natur. Sie lernen die Liebe zu Tieren und Pflanzen, Achtsamkeit und Empathie anderen Lebewesen gegenüber und mit allen Sinnen die Elemente der Natur kennen. Die Schönheit der Natur lässt sich mit keinem Bild vermitteln. Erst wenn man das Auge schult, die faszinierenden Details in unserer Umgebung wahrzunehmen, erkennt man wie einzigartig jedes Lebewesen ist.


Ort der Gelassenheit


Gleichzeitig ist die Natur ein Ort der Ruhe und Entspannung bietet. Nicht umsonst gehen wir Erwachsenen gerne spazieren, wenn der Kopf zu voll ist oder uns gerade alles zu viel wird. Bei Kindern ist ein längerer Spaziergang besonders an chaotischen Tagen heilsam. Zwar beginnt er häufig bei uns mit Gemecker und es gab nicht wenige Male, an denen ich am liebsten umgekehrt wäre. Jedoch habe ich nach einiger Zeit entdeckt, dass es wie durch ein Wunder, nach etwa einer halben Stunde umschlug in Ruhe und später sogar guter Laune. Hinterher haben wir uns gelassen und erholt gefühlt. Seitdem nutze ich an unruhigen Tagen jede Gelegenheit in den Wald zu kommen.

Wenn es sehr kalt ist fahren wir ein Stück mit dem Rad in den Wald und die Kinder spielen dort eine Zeitlang.

Bei uns im Wald wurde gerade viel abgeholzt, sodass sich Baumstämme als Kletterparadies entpuppen. Hier sei als Warnung jedoch gesagt: Bitte immer genau prüfen ob alle Stämme fest verkeilt sind und keiner herunterrollen kann. Am Besten immer einzelne Baumstämme nutzen, die nicht übereinander gestapelt wurden.

Beim Klettern und Hantieren mit Baumstämmen und Ästen wird die körperliche Beweglichkeit und Lösungsorientierung intensiv gefordert. Hier gibt es keine ergonimischen Griffe, klar vorgegebene Wege oder Sicherheitsvorkehrungen. Jeder Ast, jeder Stein oder jeder Hügel ist anders und die Kinder müssen lernen sich sachte und bedacht vorwärts zu bewegen. Sie werden immer wieder auf Gegebenheiten stoßen, die ein Umdenken erfordert, um das Ziel zu erreichen.

Das ist eine Lehre, die Kinder ihr ganzes Leben lang benötigen. Dort wo vorgefertige Prozesse aufhören und das eigene Denken, die eigene Kreativität und das eigene Durchhalten gefragt sind, brauchen wir genau diese Hartnäckigkeit.


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