• Maren

Dieses Spielmittel braucht jedes Kind!

Aktualisiert: Aug 6

Tief in sich versunken beobachte ich einen kleinen Jungen auf dem Spielplatz im Sandkasten. Eigentlich tut er nichts außer den Sand immer wieder durch seine Finger rieseln zu lassen. Dabei murmelt er leise vor sich hin. Ein anderes Kind baut eine Burg und wieder ein anderes kocht für seine Puppe. Das unscheinbare Material scheint in der Welt der Kinder ein absoluter Allrounder zu sein. Es lässt sich nahezu zu allem umzufunktionieren und hervorragend in die meisten Spiele integrieren.



Was hat der Sand, was anderen Spielzeugen fehlt?

Vor allem bietet dieses Material ein unglaubliches Erfahrungsspektrum. Denn alleine die Eigenschaften können unendlich vielfältig sein. Sand kann ganz fein, grob, trocken, nass, lehmig, schlammig, fest, kühl, warm oder sogar heiß sein. Manche empfinden ihn als weich.

Nach dem Baden im Sand zu liegen und später in die Kleidung zu schlüpfen kann mitunter auch ganz schön kratzig sein. Jeder von uns hat seine ganz eigenen Erfahrungen mit diesem Material.


Kinder zieht es schnell in einen Sandkasten und sie spielen darin sehr vertieft.



Der Sand lässt das Kind in seiner Fantasie frei und stellt ihm keine vorgefertigten Aufgaben. Auch wir Eltern bauen beim Spiel im Sand selten einen Erwartungsdruck an den Lernfortschritt unseres Kindes auf. Wir lassen es einfach tun. Dadurch, dass es keine vorgefertigen Funktionen gibt, haben wir weniger das Bedürfnis dem Kind zu zeigen, wie etwas genau zu handhaben ist. Es ist also ein Ort zur freien und selbstbestimmten Entfaltung, an dem man einfach seinem Bedürfnis nachgehen kann.




Auch für den ein oder anderen von uns Erwachsenen tut sich beim Besuch eines Sandstrandes eine große Spielwelt auf. Nicht selten kann man Eltern mit großen Schaufeln beobachten, die mit ihrem Nachwuchs stundenlang an einer Burg mit unterirdischem Wassersystem feilen.



Mir geht es ja selbst so. Es gibt keinen Ostseeurlaub, bei dem ich nicht ein Loch im Sand gebuddelt habe bis das Wasser darin stand. Es ist immer ein unglaubliches Vergnügen kleine Tunnel zu bauen, durch die die Kinder mit ihren Eimern das Wasser schicken und sich in ausgelassenem, kindlichen Vergnügen daüber freuen, wo das Wasser ankommt. Für uns alle, aber ganz besonders für unsere Kinder, ist der Sand ein Ort der Zufriedenheit. Er lässt Kinder zur Ruhe kommen. Alleine durch das Befühlen des Materiales. In einem Sandkasten einfach seinen eigenen Gedanken und Bedürfnissen nachzuhängen, gibt vielen die Möglichkeit den Reizen des Alltags zu entfliehen und zu verarbeiten.


Warum bietet der Sand so viel Lernpotential?


Nach Ingrid Crowther fördert der Sand alle Bereiche der Entwicklung. Sowohl im sozialen, emotionalen, kognitiven als auch körperlichen Bereich. (vgl. Crowther, Ingrid, 2005, S. 101.)

Kinder bauen nach und nach ihre Fähigkeiten aus. Zu Beginn wird der Sand einfach nur wahrgenommen und Kinder reagieren auf ihn. Später entstehen kleine Berge bis hin zu ausgeklügelten Burgen und Schlössern.



Gerade mit dem Element Wasser oder Spielförmchen potentieren sich die Spielmöglichkeiten um ein Vielfaches.

Auch physikalische Größen werden erlebbar. Gewicht, Größe und Menge können durch das Füllen von Förmchen, Vergleichen von Mengen bewusst werden.

Der Kontakt mit der Haut lässt auch ein Gespür für den eigenen Körper zu Tage treten.


Sand für den Innenraum- ein neuer Trend in Spielegruppen

Immer häufiger entstehen Spielgruppen für Kleinkinder, die das Potential des Sandes erkannt haben und sogenannte Sandspielräume einrichten. Da gibt es Schöpfkellen, Töpfe, Förmchen und Drichter, mit denen Kinder das Material Sand erlebbar werden lassen können.



Denken wir nun an all die Spielzeuge die in der Industrie gefertigt werden und eine Vielzahl an Lernmöglichkeiten versprechen, so wird eines dabei deutlich:

Wer immer die Möglichkeit hat sich einen Sandkasten in den Garten zu stellen oder häufig einen Spielplatz mit großem Sandbereich aufzusuchen, investiert mehr im Bereich der frühkindlichen Bildung als er dies je mit einem Lerncomputer oder Lernspiel dieser Welt tun könnte.

Es gibt also wohl kaum ein Spielmittel, welches nur annähernd diese Erfahrungen für Kinder bereit hält, wie es der Sand kann.


Im kommenden Artikel möchten wir uns dem Thema Spielsachen im Spannungsfeld zwischen Spiel und Konsum widmen. Wir möchten euch zeigen, worauf wir als Eltern beim Kauf der Spielsachen Wert legen können und wo wir genauer abwägen sollten.


Melde dich auf unserem Blog an und wir benachrichtigen dich über neue Beiträge!




Weitere Artikel zum kindlichen Spiel:



Weiterführende Literatur und Quellen:

Crowther, Ingrid, Im Kindergarten kreativ und effektiv lernen- auf die Umgebung kommt es an, Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 1. Auflage 2005.

Keppner Monika, Die Spielsache im Spannungsfeld zwischen Spielmittel und Spielware- Das kindliche Spiel als Herausforderung im 21. Jahrhundert, Eine pädagogische Untersuchtung, Waxmann Verlag, Münster und New York, 2015.



18 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen