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  • Maren

Streit unter Geschwistern- Das ist MEEIIIINNNNEEE!!! TEIL 1

Aktualisiert: Mai 6

Ein Verhalten, was uns Erwachsene immer wieder an unsere Grenzen bringt.


Kaum ein Tag vergeht, an dem sich Geschwister nicht in die Haare bekommen und absichtlich das Spiel des Anderen zerstören, sich anschreien oder sogar handgreiflich werden. Manchmal bringt uns Eltern das ganz schön an unsere emotionalen Grenzen. Besonders wenn größere Kinder, den Kleineren wehtun und dabei körperlich völlig überlegen sind.


Immer wieder treibt einen auch die Frage um, ob das eigene Kind besonders aggressiv ist.


Tatsächlich gibt es wohl keinen Haushalt in dem dieses Verhalten im Kleinkindalter ausbleibt.

Meist resultiert das aggressive Verhalten aus einer Frustrationsituation, Streit um Besitztümer oder dem Gefühl mangelnder Aufmerksamkeit der Eltern.


Sigmund Freud schrieb einmal, dass der „Aggressionstrieb“ in jedem Menschen angelegt ist und dazu dient die eigenen Interessen durchzusetzen.


Den Umgang mit diesen Gefühlen müssen Kleinkinder erst lernen. In den ersten drei Lebensjahren sind sie sich nicht als Teil einer Gemeinschaft bewusst, sondern nehmen sich selbst als Zentrum wahr.

Daher ist es unsere Aufgabe als Eltern, ihnen zu zeigen, wie man mit unliebsamen Situationen umgeht. Natürlich darf man Aggressionen gegenüber Mitmenschen nicht dulden und hoffen, dass Kinder ihre Probleme alleine klären. Das können sie in dem Alter nämlich noch nicht. Immer wieder stoße ich in der Literatur oder Foren darauf, dass Eltern glauben Kleinkinder würden den Umgang mit Konflikten alleine lernen. Das Gegenteil ist der Fall. Im Grunde lernt das stärkere Kind sich zu nehmen was ihm beliebt und das Schwächere lernt ständig zurückzustecken. In beiden Fällen sorgt es für Frustration. Auch das stärkere Kind lernt keinen Umgang mit seinen Gefühlen und kann sich so in keine Gemeinschaft einleben. Für Jüngere bedeutet es häufig ein langer Leidensdruck, der aggressive Gefühle anstaut, bis sich ein Ventil findet. Für ein Zusammenleben in der Familie, das Zusammenwachsen der Geschwister und der Umgang mit gleichaltrigen Freunden ist dies absolut hinderlich.


Es ist ein Lernprozess, der dazu führt sich in andere Menschen hineinzufühlen, sich verbal zu äußern und Grenzen unserer Gesellschaft einzuhalten. Das gelingt nur mit Geduld. Immer wieder muss man diese Situationen miteinander durchspielen. Wir Eltern sind dabei Wegweiser. Wir zeigen ihnen Auswege aus der Situation, indem wir im Gespräch mit ihnen Hilfestellung leisten.

Zum Beispiel bei der dreijährigen Tara:„Wenn du nicht möchtest, das Lisa (1) deinen Teddy nimmt, dann sagst du das nächste Mal dass du gerade mit dem Teddy spielen möchtest und gibst ihr vielleicht ein anderes Kuscheltier.“ Es ist wichtig dem Kind zu helfen eine Lösung zu finden.

Es darf nicht sein, dass ein größeres und stärkeres Kind allein durch seine körperliche Überlegenheit den Kleineren alle Spielsachen aus der Hand reißt und diese immer unglücklich zurücklässt. Ebenso falsch ist es aber auch, wenn das größere Kind gerade in seinem Spiel vertieft ist und vom jüngeren Geschwisterchen immer wieder unterbrochen wird, weil es bspw. den gerade mühsam errichteten Turm wieder umwirft. Hier müssen beide Parteien lernen sich aufeinander einzulassen und Rücksicht zu üben, denn nur so werden es Menschen die mit ihren Gefühlen umgehen lernen, sich in eine Gesellschaft einfügen und Empathie zeigen können.

Häufig ist man vom Verhalten der eigenen Kinder so geplättet, dass man sie im ersten Impuls am liebsten einfach nur anschreien würde. Gerade das willkürliche Verhalten des Zerstörens einer geliebten Sache des Geschwisterkindes oder das aggressive körperliche Verhalten macht Eltern oft fassungslos. Das geht uns allen so. Dennoch bringen lange Standpauken, Strafen und Anschreien nur bedingt Besserung. Das Kind wird in dem Moment eingeschüchtert, lernt jedoch nicht wie es sich in künftigen Situationen anders verhalten kann.

Um diesen Impuls zu unterdrücken, sollte man sich kurzweilig aus der Situation nehmen, entweder tief durchatmen und von 5 runter zählen, ein Glas Wasser auf einen Zug austrinken oder einfach kurz aus dem Raum gehen. Jeder kann hier seine eigene Methode finden. Sinnvoll ist es allerdings, diese Methode vor den eigenen Streitsituationen für sich selbst festzulegen, um dann einfach darauf zurückgreifen zu können.


In unserem Blog werde ich euch in den kommenden Wochen das Thema „Streit unter Geschwistern“ genauer unter die Lupe nehmen. Es gibt eine Vielzahl spannender Fakten dazu. Zum Beispiel werde ich euch vorstellen, welche Ursachen Streitsituationen haben können und wie man adäquat reagieren kann, um Kindern den Umgang mit Zwistigkeiten zu lehren. Genauso wird das Thema „Muss mein Kind alle seine Sachen teilen oder nicht?“ sowie „Wie bringen wir eine Sache wieder in Ordnung oder wie können sich Kinder entschuldigen?“ eine Rolle spielen.


Wenn ihr eine tolle Lösung mit euren Kindern gefunden habt, schreibt sie uns doch gerne in die Kommentare.

Streit unter Geschwistern- Das ist MEEIIIINNNNEEE!!!



Quellen:
Natalie Klüver: Willkommen Geschwisterchen, Trias Verlag, 2017
Nicola Schmidt: Geschwister als Team, 3. Auflage, Kösel Verlage, 2018
Sabrina Heinke, Ziemlich beste Geschwister, Humbold Verlag, 2020
Christiane Kutik: Erziehen mit Gelassenheit, 6. Auflage, Freies Geistesleben, 2018

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