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  • Maren

Streit unter Geschwistern- Entschuldigungen, die von Herzen kommen- TEIL 3

Steitsituationen unter Geschwistern sind oft ungerecht und häufig auch sehr aggressiv. Besonders, wenn ein Kind dem anderen sehr wehgetan hat, ist es schwer, bei sich selbst zu bleiben und die Ruhe zu bewahren. Was wünscht man sich als Eltern mehr, als das sich das Kind dann von Herzen entschuldigt und beteuert so etwas NIE wieder zu machen?



Ja diesen Wunsch kenne ich auch- aber leider funktioniert das so nicht.

Für kleine Kinder ist das Wort "Entschuldigung" wie viele andere Worte und es kann die Bedeutung noch gar nicht zuordnen. Zwingt man ein Kind, einen Streit mit dem Wort "Entschuldigung" zu beenden, so lernt es dabei, dass es sich durch das schnell hingemurmelte Wort aus jeder unangenehmen Affaire ziehen kann. Es lernt aber nicht, wie schmerzhaft und falsch sein Handeln für das Gegenüber war, geschweige denn die Situation in Ordnung zu bringen.

Wichtig ist vielmehr, beide Kinder zu beruhigen und einen Moment abzuwarten, bis die Gemüter wieder abgekühlt sind. Danach ist es sinnvoll dem Kind, welches handgreiflich oder zerstörend war zu unterstützen die Sache wieder in Ordnung zu bringen.

Ein Turm, der mutwillig kaputt gemacht wurde, wird wieder aufgebaut. Ein Spielzeug, was in seine Einzelteile zerlegt wurde, wird gemeinsam repariert. Kinder müssen lernen, dass man Dinge wieder in Ordnung bringen kann und muss.

Bei schmerzhaften Handgreiflichkeiten wird zuerst immer das angegriffene Kind auf den Arm genommen und beruhigt. Anschließend wird dem anderen Kind deutlich gemacht, dass es solch ein Verhalten bei uns in der Familie nicht gibt. "Hast du gesehen, wie weh du Colin getan hast? Das darfst du nicht machen. Wenn dich etwas ärgert, sagst du, was du nicht möchtest oder rufst mich, damit ich dir helfe."


Einmal liebevoll streicheln oder den Schmerz wegpusten, hilft bei kleinen Kindern immer und sorgt auch für das aggressiv gewesene Kind für Entspannung, denn schließlich wollen wir ja, dass sie liebevolle und zugewandte Menschen werden. Dennoch müssen wir darauf achten, dass das Geschwisterkind die Sache auch bereinigen will. Ein Kind zu zwingen, das andere zu streicheln oder lieb zu haben ist genau so sinnvoll wie es zu einer unfreiwilligen Entschuldigung zu bringen.


Auch wir Erwachsenen sind hin und wieder ganz schön ungerecht zu unseren Kindern. Manchmal liegen die Nerven einfach plank und es fällt schwer bei jeder Situation gelassen zu bleiben. Das ist menschlich. Schließlich haben wir neben dem liebevollen Blick auf unsere Kinder auch noch eigene Bedürfnisse und Befindlichkeiten, die durch Kinder eh schon ganz schön in den Hintergrund geraten. Trotzdem können wir in gerade solchen Situationen, wo wir ungerechterweise laut geworden sind, oder etwas übersehen als Vorbild wirken und uns für unser Verhalten entschuldigen. Kinder dürfen ruhig wissen, dass auch wir Fehler machen aber bereit sind, diese auch einzugestehen und wieder gut zu machen. Ein liebevoller Blick und eine Erklärung entspannt viel und gibt allen ein besseres Gefühl. "Du Colin, es tut mir leid, dass ich eben so laut geworden bin. Ich bin heute sehr müde und habe gar nicht richtig hingeschaut. Es hat nichts mit dir zu tun."



Quellen:
Natalie Klüver: Willkommen Geschwisterchen, Trias Verlag, 2017
Nicola Schmidt: Geschwister als Team, 3. Auflage, Kösel Verlage, 2018
Sabrina Heinke, Ziemlich beste Geschwister, Humbold Verlag, 2020
Christiane Kutik: Erziehen mit Gelassenheit, 6. Auflage, Freies Geistesleben, 2018
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