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  • Maren

Streit unter Geschwistern- Was können Eltern tun? TEIL 2

Aktualisiert: Mai 6

Streit ist eine Lernsituation. Wie für alles in der Kindheit brauchen die Kleinen gute Vorbilder. Von Geburt an bringen Kinder einen Nachahmungstrieb mit und beobachten jede Mimik, Gestik und Handlung bei ihren Bezugspersonen, um diese nachzuahmen.



Genauso ist es mit dem Streit. Kinder werden genau wie wir von ihren Gefühlen übermannt. Der Unterschied zwischen uns Erwachsenen und unserem Nachwuchs besteht darin, dass wir gelernt haben mit unseren Emotionen umzugehen. Kinder sind diesen Gefühlen oft hilflos ausgeliefert und wehren sich handgreiflich oder aggressiv verbal.


Auch wenn wir uns als Eltern einfach ein bisschen mehr Frieden und freudvollen Umgang unter Geschwistern wünschen, so ist die Auseinandersetzung mit Konflikten wichtig, um gesellschaftliche Normen wie Moralentwicklung (Fairness, Gerechtigkeit und auch Teilen) zu lernen. Es braucht immer aufs Neue Wiederholungen, bis Kinder verinnerlicht haben, wie sie sich verhalten können und dürfen.



Tatsächlich lernen Kinder Emphatieverhalten erst ab etwa vier Jahren. Das bedeutet, dass sie zuvor geistig noch nicht in der Lage sind, sich in eine andere Person hineinzufühlen. Den Blick dafür können sie durch unsere Hinweise jedoch schon sehr früh dafür schulen. Bis zum sechsten Lebensjahr dauert es, bis Kinder die Emphathiefähigkeit voll ausgebildet haben und auch danach handeln können. Auch der Unterschied zwischen absichtlichem und versehentlichem Handeln wird erst in diesem Alter nachvollziehbar.


Was können wir nun als Eltern bei Streitereien tun?


Zu erst einmal sollte man die Intensität des Streites einschätzen. Wenn Kinder nur Zanken- also ein harmloser Wortwechsel stattfindet, müssen wir nicht zur Seite stehen. In der Regel, klärt sich das alleine.

Wichtig ist, bei realen Streitereien präsent zu sein und vor allem dem ersten Impuls, energisch oder aggressiv zu reagieren, entgegenzuwirken. (kurz tief einatmen, von 5 runterzählen, ein Glas Wasser schnell austrinken,...)



  • Wir nehmen uns Zeit- besonders bei unter Dreijährigen ist in der Regel Zeit erforderlich, um das Problem zu verstehen und reagieren zu können

  • Die Kinder beruhigen

  • Das agressive Kind darauf aufmerksam machen, dass es dem anderen wehgetan hat und dass wir auch in ärgerlichen Situationen nicht handgreiflich werden, sondern lieber Hilfe holen

  • Die Kinder, wenn möglich die Situation erklären lassen und dabei keine Stellung beziehen

  • Die Situation noch einmal durchsprechen und evtl. korrigieren lassen: z.B. "Also, habe ich das richtig verstanden? Colin hat dir den Bagger weggenommen und dann hast du ihn gehauen, weil du dich geärgert hast?" Auch Kinder die noch nicht oder kaum kommunizieren können, verstehen was wir sagen.

  • Eine Lösung erarbeiten : Zum Beispiel: "Richard wollte also auch mit dem Bagger spielen, aber den hattest ja du gerade. Wir schauen mal, ob wir einen anderen Bagger oder ein Lastauto für Richard finden. Vielleicht könnt ihr dann ja sogar zusammen spielen. Und hauen gibt es bei uns nicht. Du kannst mit Colin sprechen und ihm sagen, dass du den Bagger gerade hast und damit spielen möchtest. Wenn das nicht klappt, dann rufst du mich und ich helfe dir."

  • Die Streitlösung gemeinsam umsetzen


Bei größeren Kindern variieren die letzten beiden Punkte. Ältere Kinder sind in der Lage schon eigene Lösungsvorschläge zu machen und diese eigenständig umzusetzten. Nur wenn wir merken, dass sie noch nicht in der Lage sind diese Punkte alleine umzusetzen, bleiben wir auch hier dabei und helfen. Das geschieht so lange, bis es alleine klappt-


Was mache ich, wenn Kinder in ihrer Wut zu keiner Lösung fähig sind?


Dann ist es wichtig etwas Raum zu schaffen, um die Gemüter abkühlen zu lassen. Wichtig ist, dass wir kommunizieren, dass sich alle erst einmal ein bisschen beruhigen und schon einmal überlegen wie man den Streit klären kann. Hierbei ist es manchmal auch sinnvoll das wütende Kind ein paar Minuten für sich zu lassen und es zu bitten, wenn es sich beruhigt hat, zu uns zu kommen, damit der Streit geklärt wird.

Niemals darf man es unter den Tisch fallen lassen, aber in einer stark aufgehitzten Situation ist jede Lösungsmöglichkeit vergebene Liebesmüh und kommt auch nicht von Herzen. Auch Kinder, die einen Streit angezettelt haben, fühlen sich besser, wenn wieder Harmonie herrscht.





Im nächsten Beitrag widmen wir uns dem Thema "Entschuldigungen, die von Herzen kommen".



Quellen:
Natalie Klüver: Willkommen Geschwisterchen, Trias Verlag, 2017
Nicola Schmidt: Geschwister als Team, 3. Auflage, Kösel Verlage, 2018
Sabrina Heinke, Ziemlich beste Geschwister, Humbold Verlag, 2020
Christiane Kutik: Erziehen mit Gelassenheit, 6. Auflage, Freies Geistesleben, 2018


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