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  • Maren

Warum brauchen Kinder Fantasie?

In vielen meiner Beiträge erwähne ich immer wieder die Wichtigkeit der Fantasie im Kindesalter. Doch wozu ist es wichtig, dass wir Kinder träumen und fantasieren lassen? Warum sollen sie lernen sich realitätsferne Vorstellungen zu erträumen und zu erspielen? Welchen Zweck soll und kann das für ein späteres Leben haben?



Wie so oft ist die Fantasie eine Eigenschaft, die wir Kindern gar nicht beibringen müssen. Die haben sie und bringen sie einfach mit. Die Frage ist vielleicht nur, wie sehr lasse ich zu, dass mein Kind sich Dinge ausdenkt, die fern ab jeglicher Realität sind? Meine große Tochter hört gern die Geschichten von Laura Stern. In einem der Bücher fliegt Laura mit ihrem Bruder durch das Weltall auf der Suche nach einem Hundestern. Als in dieser Woche ein sehr großes Paket bei uns eintraf, wurde der Karton kurzerhand zu einer Rakete umfunktioniert, mit Kuscheldecke ausgestattet und ab ging der wilde Flug samt Schwesterchen zu den Sternen.


In meinen Informationsabenden höre ich von Teilnehmern immer wieder, dass ihre Kinder Fernbedienungen zu Autos umfunktionieren oder Bauklötze zu Handys werden. Interessanterweise finden die Mamis diese Abstraktionsleistungen ihrer Sprösslinge alles andere als faszinierend, sondern eher befremdlich. "Warum erkennt es nicht, dass das eine Fernbedienung ist?", fragte neulich eine Mami. Das erkennt das Kind selbstverständlich aber es kann zudem aus einem Gerät viele andere Dinge zaubern und erdenken. Das ist eine Leistung, die unheimlich bedeutsam für das spätere Leben ist. Kinder sind, wenn man sie lässt, wahre Meister im Ausdenken von den verrücktesten Ideen.

Viele Eltern haben Sorge, dass ihre Kinder nicht genug lernen oder zu realitätsfremd werden. Das kann nicht passieren. Die Realität ist immer um uns herum und holt jeden von uns sehr schnell ein. Doch wer gelernt hat die Fähigkeit Fantasie zu schulen, der kann als Erwachsener daraus schöpfen.


Der Erfolgsautor Napoleon Hill beschreibt in seinem Buch "Denke nach und werde reich", dass erfolgreiche Menschen eines den anderen voraus haben. Sie haben Fantasie. Voraussetzungen für gute Ideen haben viele. Manche bekommen die Chance Erfolg zu haben auf dem Silbertablett serviert, aber es gelingt ihnen nicht daraus Kapital zu schlagen. Das Durchhaltenvermögen und die Vorstellungskraft zu entwicklen, weiter als alle anderen zu denken, kann der Schlüssel zu einem erfüllten Leben sein. "Je stärker die Fantasie beansprucht wird, desto leistungsfähiger wird sie. Wie die Spannkraft eines Muskels bei entsprechendem Training zunimmt, so lässt sich auch die Leistungsfähigkeit der synthetischen und schöpferischen Fantasie durch kontinuierliche Übung erhöhen." (Vgl. Napoleon Hill: Denke nach und werde reich, S. 64) Das gilt im Übringen nicht nur für unsere Kinder. Auch wir Erwachsene können unsere Fantasie schulen, indem wir zulassen über den Tellerrand zu denken, mehr vom Leben zu erwarten, als man uns suggerieren möchte.



Vor allem aber sollte wir unsere Kinder niemals in ihrer Fantasie einschränken und ihnen in ihrem Spiel erklären, dass alles, was sie sich erdacht haben nicht realistisch und richtig ist. Sie wissen es früh genug und bis dahin, lassen wir sie ihre Muskel trainieren und schenken ihnen einen Schatz von schier unschätzbarem Wert.


Literatur:
Napoleon Hill, Denke nach und werde reich, Ariston, 2005
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