Die faszinierende Welt der Sprachentwicklung

Es ist beeindruckend erleben zu können, wie ein kleiner Mensch zunächst nur ein paar Laute von sich geben kann, dann Wörter und mit seinen fast 3 Jahren solche Satzkonstrukte bildet wie: „Ich brauche mal einen Löffel, weil ich in meiner Küche Brei für mein Baby kochen muss, weil das Baby Hunger hat und da brauch ich einen Löffel.“ Doch wie lernen unsere Kinder eigentlich so mühelos unsere Sprache? Und ist es wirklich so einfach, wie es scheint? Was ist eigentlich unsere Aufgabe als Eltern dabei?

Nein, so mühelos lernen sie es nicht. Es braucht schon ein paar Voraussetzungen vom Kind dafür, aber auch so einiges was wir Eltern zu beachten haben.


Die Grundvoraussetzungen für die Sprachentwicklung


Die erste und damit die Grundvoraussetzung bringt jedes Kind mit: Nämlich sein einmaliges Nachahmungstalent und den inneren Drang, die Dinge seiner Mitmenschen lernen zu wollen und das unermüdlich. Dann kommen natürlich organische Voraussetzungen wie eine altersgerechte Entwicklung der Sprachzentren im Gehirn, ausgebildete Sprechwerkzeuge (dazu gehören, Mund, Rachen und Zunge), ein intaktes Gehör und die Fähigkeit akustische Signale wahrzunehmen, die optische Wahrnehmungsfähigkeit (Gegenstände sehen zu können), ein intakter Tastsinn und eine intakte Motorik.


Die richtige Sprachumgebung regt das Kind zum Sprechen an


Sind diese Voraussetzungen gegeben, braucht es nur noch eine Umgebung, die Lust auf Sprechen macht. Und da kommt unsere Aufgabe als Eltern ins Spiel, denn diese Umgebung müssen wir unseren Kindern schaffen. Dazu gehört, dass wir mit unserem Kind von Geburt an sprechen. Es genügt nicht, wenn unsere Sprösslinge einfach einem Gespräch zwischen uns Eltern lauschen sondern wir müssen bewusst mit unserem Kind sprechen. Bei allen Tätigkeiten die wir mit dem Kind machen z.B. Wickeln, Stillen usw. erzählen wir ihm was wir gerade tun und was als nächstes passiert. Wir sprechen mit ihm als würden wir laut denken. Wichtig ist dabei, dass wir unser Kind auch anschauen, denn nur dann spürt es, dass wir mit ihm kommunizieren.

Zu Beginn versteht das Baby noch sehr wenig. Doch weil es spürt, dass wir uns ihm zuwenden, verfolgt es unsere Erzählungen mit großer Freude. Mit der Zeit verbindet es immer dieselben Laute, dasselbe Wort mit demselben Gegenstand oder derselben Handlung. Unser Kind beginnt zu verstehen. Und das ist der erste Schritt in der Sprachentwicklung.

Nun muss zum Verstehen das Bedürfnis im Kind wachsen sich mitteilen zu wollen. Dieses Bedürfnis entsteht, wenn es spürt, dass wir auf seine Laute reagieren. Je mehr unser Kind auf seine Umwelt einwirken kann (z.B. streckt den Rücken durch und quengelt wenn es hochgenommen werden möchte) desto mehr Lust hat es am sprechen.


Doch wie spreche ich denn mit meinem Baby?

Hier gilt oberstes Gebot: Keine Babysprache. Der Erwachsene ist das Sprachvorbild und je besser wir sprechen, desto besser können unsere Kinder lernen. Es wird also weder in Babysprache erzählt noch überdeutlich gesprochen sondern einfach verständlich und grammatikalisch richtig.

Das Gespräch zwischen Erwachsenen und Kind und die Besonderheit der Wiederholung


Das Gespräch zwischen Eltern und Kind wird innerhalb der Sprachentwicklung immer eine große Rolle spielen. So ist es wichtig, dass wir unserem Kind geduldig zuhören können und Zeit dafür haben. Denn während zu Beginn besonders der Erwachsene aktiv im Gespräch ist, ändert sich das mit zunehmenden Alter des Kindes. So haben sie ihre ganz eigenen Themen und Fragen die sie bewegen. Dazu brauchen sie einen Gesprächspartner, der ihre Themen ernst nimmt und sich bewusst in das Gespräch hineinbegibt. Auch die Art des Gespräch(e)s wird sich immer wieder verändern. Beobachtet man ein Kind dabei, dann könnte man meinen es verfolgt einen inneren Bauplan um unsere Sprache zu erlernen. Für das Kind ist Sprache eine sinnliche Erfahrung und so liebt es die Wiederholung. Egal ob Buch, Lied oder ein Vers. Dies ist für die Sprachentwicklung sehr wichtig, denn nur darüber können sich Sprachstrukturen auch einprägen. So wird es beispielsweise die Phase geben, in der euer Kind immer mit einer Frage antwortet und zwar zu allen Dingen die ihr erklärt. Da heißt es geduldig immer und immer wieder auf diese Frage zu antworten, auch wenn man die Antwort schon so oft gegeben hat. Denn wartet man nun ein bisschen ab, dann versteht man die Fragerei. Nur wenige Zeit später verwendet es die Satzstruktur von euren Antworten in seinen eigenen Sätzen. So lernt ein Kind Grammatik. Und wächst doch einmal die Ungeduld bei den vielen Wiederholungen so hilft der Fakt: Um etwas aktiv in seinen Sprachgebrauch übernehmen zu können, muss es 40mal gehört werden!


Sprachliche Fehler verbessert das Kind anhand unserer Antwort


Wenn man sich die Komplexität unserer Sprache einmal bewusst macht, so wird klar, dass dies nicht innerhalb kürzester Zeit zu erlernen ist und viele Fehler gemacht werden müssen bis sie richtig verwendet werden kann. Doch wie sollten wir mit der fehlerhaften Aussprache oder der falschen Grammatik umgehen? Hier gilt die Regel: Verbessere dein Kind NICHT! Die Sprachentwicklung verläuft für das Kind spielerisch und unbewusst. Fangen wir an das Kind zu verbessern und lassen es die Wörter richtig wiederholen, wird dieser spielerische Prozess plötzlich ins Bewusstsein gerückt und aus dem Spaß daran wird eine schwere Aufgabe. Damit kann der Prozess der Sprachentwicklung regelrecht gehemmt werden. Ein besseres Mittel um das richtige Sprechen zu unterstützen ist das sogenannte „korrektive Feedback“. Dabei wiederholt man in der eigenen Antwort die kindliche Äußerung einfach noch einmal richtig. Zum Beispiel „Ich hab das nicht dewisst!“- antwortet man: „Ach, du hast das also gar nicht gewusst!, Ja dann müssen wir das beim nächsten Mal genauer besprechen, da hast du recht!“ Auf ganz natürliche Weise hört das Kind die richtige Aussprache und wird sie nach einiger Zeit übernehmen.


Lieder, Reime und Verse fördern die Sprachentwicklung


Unabhängig von der natürlichen Sprachförderung im Alltag kann man zusätzlich durch Singen, das Erzählen von Reimen, durch Finger- und Kniereiterspiele die Sprachentwicklung intensiv und mit viel Freude unterstützen. Das Singen lieben die Babys von Geburt an, weil die Stimme der eigenen Mutter so schön schwingt und sie zu Beginn ihrer Sprachentwicklung vorrangig auf Melodie und Rhythmus der Muttersprache fixiert sind. Mit etwa einem halben Jahr beginnen die Babys Reime und Fingerspiele aktiv wahrzunehmen. Diese sollten vor allem körperbetont sein. Also dabei den Körper des Kindes berühren, da es in diesem Stadium alles mit seinem ganzen Körper aufnimmt.

Hier ein Beispiel:


Erst kommt die Schnecke

und kriecht um die Ecke.

[Mit zwei Fingern z.B. den Arm des Kindes hinauf kriechen.]

Dann kommt der Hase

und zwickt Dich in die Nase.

​[Dem Kind an die Nase stupsen.]

Jetzt kommt der Zwerg,

der klettert über’n Berg.

[Dem Kind mit den Fingern über den Kopf krabbeln.]

Zum Schluss kommt der Floh

und zwickt dich in den Po!

[Dem Kind sanft in den Po zwicken.]


(Weitere stelle ich euch demnächst in unserem Blog vor)

Kniereiterspiele werden meist mit reichlich einem Jahr interessant dazu zählt das beispielsweise der Klassiker „Hoppe Hoppe Reiter“

In den kommenden Wochen stelle ich euch in unserem Blog verschiedene Bücher und Materialien vor. Aber ihr findet dazu natürlich auch einige gute Medien im Internet, die ich euch noch verlinken werde.

Bei all den Anregungen solltet ihr schauen, was euch selbst auch Freude bereitet, denn dann wird es auch eingesetzt.