• Maren

Was braucht mein Kind in der Trotzphase? Teil 3

Aktualisiert: März 11

Die Trotzphase ist für uns Eltern eine ganz schöne Belastungsprobe. Immer wieder müssen wir uns Gedanken machen, wie wir anders reagieren können, um unsere Kinder zu erreichen. Schnell gerät man in die Situation nur noch zu schimpfen und zu meckern. Das belastet den Alltag und auch die Beziehung zu unseren Kindern. Aus diesen Gründen möchte ich euch in den nächsten Artikeln viele praktische Ideen geben, die den Alltag in dieser speziellen Phase wieder auflockern. Hier könnt ihr lesen, was euer Kind in der Trotzphase braucht.


Beobachte dein Kind mit Liebe

Die beste Unterstützung bekommt unser Kind, wenn wir es genau beobachten. Sie möchten sich wahrgenommen fühlen und in ihrem Bestreben nach Selbstständigkeit unterstützt werden.


Traue ihm etwas zu

Das bedeutet auch, dass wir immer wieder hinschauen müssen, ob unser Kind nicht vielleicht doch schon so langsam in der Lage ist eine Schere zu benutzen, mit einem Küchenmesser Gemüse zu schneiden oder uns bei kniffligen Arbeiten zu helfen.



Manchmal hilft es, gedanklich einen Schritt zurückzutreten und sein Verhalten und die Entwicklung des Kindes zu hinterfragen. Der Alltag lässt uns manchmal an Grenzen festhalten, die es langsam zu erweitern gilt. Unser Kind will groß werden und zeigt es uns mit allen Mitteln. Schon mit 18 Monaten beginnen einige der Kleinen uns lautstark darauf aufmerksam zu machen, dass sie manches ALLEINE!!! machen wollen. So entdeckte mein kleines Töchterchen vor ein paar Tagen, wie einfach es ist, wenn man sich einen Hocker nimmt und alleine an alles herankommt, was man möchte. Natürlich muss es Grenzen geben. Doch beim Händewaschen und Abtrocknen, kann das Kind nun so langsam selbstständig werden und muss dazu auch Übungsfreiräume bekommen.




Sorge für viel Kuschelzeit

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Körperkontakt. Auf der einen Seite spüren wir, dass die Kinder sich nun langsam von uns lösen und auch das Bedürfnis nach Kuscheln weniger wird. Auf der anderen Seite macht genau dieses Lösen den Kindern auch große Angst und sie suchen ganz intensiv unsere Nähe. Manche Kinder möchten plötzlich wieder zu den Eltern ins Bett und ganz eng bei ihnen schlafen. Umso wichtiger ist es, ihnen schon am Morgen nach dem Aufstehen zu zeigen, wie lieb wir sie haben. Nicht das schnelle Aufstehen und hetzten durch die Morgenroutine sollte im Vordergrund stehen, sondern eine liebevolle und aufmerksame Begrüßung. Einige Kinder genießen es auch uns einmal ganz fest in den Arm zu nehmen und sich kurz anzukuscheln. Schon das Gefühl, da freut sich jemand mich zu sehen und nimmt mich wahr, ist für Kinder ein ganz Wichtiges.



Sei ein guter Zuhörer

Nehmen wir uns Zeit und hören zu, was uns unser Kind zu sagen hat. Die Sprache wird nach und nach zum wichtigsten Ausdrucksmittel für unsere Kinder. Noch immer fehlen ihnen Worte, um ihre Gefühle und Befindlichkeiten zu artikulieren. Noch immer greifen sie schnell zu Mittel wie Handgreiflichkeiten oder Beißen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Doch je mehr wir Eltern uns auf Augenhöhe begeben und ihnen zuhören, oder helfen aus einer Notlage mit Worten zu finden, umso schneller lernen sie einen besseren Umgang mit ihren Gefühlen.

Hierbei ist natürlich auch unsere Haltung und Vorbildwirkung von größter Bedeutung. Wir werden bei all unserem Tun genauestens beobachtet und gerne auch nachgeahmt. Gehen wir miteinander respektvoll um, tun es uns die Kleinen nach und lernen einen Umgang mit Mitmenschen. Dazu zählen u.a. die Zauberwörter, wie „Bitte und Danke“ aber auch eine Entschuldigung, wenn wir uns im Ton vergriffen haben.



Susanne Mierau schlägt in ihrem Buch: ICH! WILL! ABER! NICHT! vor, Konflikte zu spiegeln. Das heißt nicht, dass wir uns nun auf den Boden schmeißen müssen und mitbrüllen sollen, sondern viel mehr dem Kind verbal zu signalisieren: Ich verstehe, dass du dich ärgerst, weil … . Als ich diesen Hinweis das erste Mal gelesen habe, konnte ich mir schwer vorstellen, dass es etwas bewirkt. Tatsächlich aber unterbricht es bei meinen Kindern den Wutanfall sehr schnell und wir können gemeinsam über eine Lösung nachdenken. Das bedeutet auch, dass man Trotzphasen im Supermarkt oder Spielzeugladen mit dieser Strategie entgegenwirken kann, in dem man den Kindern mitteilt, dass man durchaus verstanden hat, was sie sich wünschen und man es sich merken wird, oder darüber nachdenkt, ob es das Gewünschte später z.B. zum Geburtstag bekommen wird. Das Kind fühlt sich wahrgenommen und kann nun seinem Gefühlschaos entfliehen, in dem es die Machtlosigkeit die es spürt nicht mehr in den Focus rücken muss.


Am kommenden Sonntag möchte ich euch ein tolles Kinderbuch vorstellen, was in der Trotzphase ein schöner Wegbegleiter sein kann und angespannte Situationen entschärfen kann.


Literartur: 
Susanne Mierau, Ich! Will! Aber! Nicht!: Die Trotzphase verstehen und gelassen meistern, GU Verlag, 2017.

Gertrud Teusen, Das Trotzalter: Rat für Eltern in der schwierigen Zeit, Ravensburger Verlag, 1999.

Monika Kiel-Hinrichsen, Warum Kinder Trotzen, Urachhaus Verlag, 6. Auflage, 2013.
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