• Maren

Spielzeuge - Worauf sollte ich beim Kauf achten?

Noch nie hat es eine solche Flut an Spielzeugen gegeben, wie es heutzutage der Fall ist. Alleine der Gedanke an ein Spielwarengeschäft fördert bei dem ein oder anderen ein Unbehagen, da es auf Grund der Masse und Möglichkeiten schier unendlich schwerfällt eine sinnvolle Entscheidung für ein passendes Spielzeug zu treffen.



Seit einigen Wochen widmen wir uns in unseren Artikeln dem Thema Spiel. Es birgt nicht nur eine Vielzahl an Themenbereichen, es ist uns auch eine Herzensangelegenheit aufzuzeigen, welch immense Bedeutung das Spiel des Kindes hat. Untrennbar mit dem Kinderspiel sind auch die Spielsachen verbunden. Hier lohnt es sich einmal genauer hinzuschauen und mit einem wachsamen und kritischen Auge Spielzeuge zu betrachten.


Schon immer haben Eltern ihrem Nachwuchs kleine Spielzeuge geschenkt. Bei antiken Ausgrabungen werden immer wieder Funde sichtbar, wie Tiere auf Rädern, Puppenwagen, Kreiselspiele und dergleichen mehr. Das Spielzeug soll Freude bereiten und Lust auf ein Spiel machen.



Warum überfüllte Kinderzimmer das Spiel lähmen!


Spielzeuge haben immer einen Aufforderungscharakter. Sie rufen dem Kind zu: "Komm und spiel mit mir". Professor Dr. André F. Zimpel hat an der Universität Hamburg Forschungen zum Aufmerksamkeitsumfang des Menschen bertrieben und herausgefunden, dass wir für den Umfang von drei bis vier Gegenständen optimiert sind. Diese können wir überblicken und einordnen. Alles darüber hinaus kann zur Überforderung führen. (vgl. Prof. Dr. André F. Zimpel, Spielen macht schlau, 2015, S.54.)



Stellen wir uns nun die heutigen Kinderzimmer vor, die häufig überfüllt mit Spielzeugen sind, so wird klar, warum es vielen Kindern nicht mehr gelingt damit in ein vertieftes Spiel zu finden. Kaum wendet sich ein Kind einer Spielsache zu, schreien viele andere Spielsachen "Komm spiel mit mir". Das Kind springt von einem zum nächsten Gegenstand, ohne sich im Spiel verlieren zu können.



Da hilft nur, kräftig entrümpeln. Es lohnt sich, Spielzeuge die kaum im Gebrauch sind einmal wegzupacken und nur wenige aber sehr geliebte Dinge im Raum zu lassen. Es ist eine Wohltat Kinder zu beobachten, die ganz in Ruhe an einer Sache spielen und dabei zufrieden vor sich hinsingen.

Welchem Zweck dient das Spielzeug eigentlich?

"Kinderspielsachen sind eigentlich Gedächtnisstützen. Sie helfen den Kindern, ihre Spielidee nicht aus dem Auge zu verlieren, aber auch aktiv Erinnerungen abzurufen und Erlebnisse fantasievoll auszuschmücken." (vgl. Prof. Dr. André F. Zimpel, Spielen macht schlau, 2015, S.26.)

Je weiter die Entwicklung voranschreitet, umso leichter gelingt die Abstraktion und Kinder können Alltagsgegenstände zur Erinnerungsstütze nutzen.

Demnach müssen Spielzeuge altersgemäß und sinnvoll sein. Professor Zimpel rät Eltern, sich immer die Frage nach dem eigentlichen Sinn des Spieles zu fragen. Das kindliche Spiel dient der Entwicklung der Fanatsie und nach diesem Maßstab sollten Spielsachen ausgewählt werden.



Warum deine Kinder Spielzeuge aus verschiedenen Materialien brauchen!


In den Zeiten der alten Monarchien gehörten ausgeklügelte Spielzeuge eher zur priviligierten und adligen Familien. Durch die Massenproduktion aus Fernost hat nun auch die breite Masse Zugang zu allen Arten an Spielzeugen. Das ist ein enormer Fortschritt in unserer Gesellschaft. Dennoch hat es wohl auch einen gravierenden Nachteil. Wo es vorher noch handgefertigte Spielzeuge aus verschiedensten Materialien zu kaufen gab, dominiert heute das Material Kunststoff.





Die Eigenschaften dieses Materials jedoch sind nicht besonders vielfältig. Es fühlt sich in der Regel immer gleich temperiert an und weißt auch im Bereich der Oberfläche und des Geschmackes keine Vielseitigkeit auf.

Hinzu kommt, dass gerade die Billigimporte häufig große Mengen gesundheitschädliche Bestandteile enthalten. (vgl. ÖKO-TEST, Dezember 2009, S. 52.)


Vielfältige Materialien vergrößern die Vernetzungslandschaft der Neuronen


Wenn wir unsere Lebenswelt betrachten, so besteht diese aus unzähligen Materialien, die in Form, Farbe, Temperatur u.v.m. sehr variantenreich sind. Im Spiel erkunden Kinder die Eigenschaften der Materialien und speichern diese im Gehirn ab. So nehmen sie in der oralen Phase alles in den Mund und lernen die Beschaffenheit, den Geschmack und vieles mehr von verschiedenen Gegenständen kennen. Später werden sie in ihrer Funktion getestet. Etwas Rundes kann ich rollen, manche Gegenstände haben Ecken und Kanten, andere sind so schwer, dass ich sie kaum tragen kann usw. All das wird im Gehirn gespeichert und vielfältig vernetzt. Mit dieser vielfältigen Vernetzung baut das Kind seinen Wortschatz auf, aber auch erste Gesetzmäßigkeiten erkundet es spielerisch. Um diese Erfahrungen machen zu können, ist es umso wichtiger, dass Kinder auch mit vielen Materialien in Berührung kommen.



So gibt es Püppchen aus Wolle, Küchenlöffel aus Metall, Keramikspielzeuge, Stofftiere und dergleichen mehr. Es obliegt also uns Eltern gezielt den Kauf unserer Spielsachen in die Hand zu nehmen und uns nicht nur durch Trends leiten oder durch die Werbung beinflussen zu lassen.


Minimalismus anstatt Perfektionismus bildet das Gehirn


Das heutige Spielzeug wird immer detailreicher und perfekter. Es ist häufig die geniale Abbildung unserer Erwachsenenwelt. Markenhersteller verkaufen nun originalgtreue Kinderküchen, Bohrmaschinen, Puppenwägen, u.v.m..

Wir empfinden es als niedlich, wenn Kinder mit dem gleichen Staubsaugerfabrikat in Kleinstgröße umherfahren, wie wir es mit dem Haushaltsgerät tun. Dabei steckt hinter dieser Verkaufsstrategie ein ganz klares marktorientiertes Ziel. Die Industrie hat erkannt, dass man kleine Kinder im späteren Kaufverhalten beeinflussen kann, wenn man sie früh mit der Marke vertraut macht. Im späteren Leben wird der junge Erwachsene auf "altbewährtes" zurückgreifen. Das beeinflusst jedoch auch die freie Entscheidung und Meinungsbildung eines Menschen. Sie werden nicht in ihrer Entwicklung unterstützt, sondern das primäre Ziel ist es einen Konsumenten zu erziehen.

Umso mehr lohnt es sich als Eltern gezielt an der Auswahl der Spielzeuge mitzuwirken und Kinder als Kinder zu begreifen. Das Spiel sollte nichts als das eigene sich Ausdrücken, das Experimentieren mit der Lebenswirklichkeit sein. Es sollte frei von äußeren ökonomischen Interessen und Prägungen sein.



Je perfekter ein Spielzeug der Lebenswirklichkeit nachgeahmt ist, desto weniger freie Entfaltungsmöglichkeiten stehen dem Kind zur Verfügung. Die Fantasie wird kaum mehr angeregt und das Kind wird mehr und mehr zum passiven Konsumenten.

Wichtiger ist Spielzeug, das Platz für die kindliche Fantasie lässt. Dazu gehören u.a.: farbige Bausteine, ein Ball, Bilderbücher mit schönen Bildern, ein Sandkasten mit verschiedenen Förmchen oder Naturmaterialien. Natürlich gehören auch Puppen mit einem liebevollem Blick und Stofftiere in die Kinderwelt.

Achtet darauf, dass die Spielsachen vielfältig einsetzbar sind!


Wenn man sich in größeren Städten auf die Suche nach einem Spielzeuggeschäft macht, lohnt sich der Blick in die kleinen Geschäfte, die nicht einer großen Kette angehören. Immer wieder findet man dort Ladeninhaber, die mit viel Sorgfalt und dem Blick auf die Bedürfnisse unserer Kinder ihren Laden bestücken. Es macht Freude da zu stöbern. Die Ladenbesitzer kennen sich häufig sehr gut mit den Spielzeuglabels aus und wissen, worauf bei Materialien, Alter und Schadstofffreiheit zu achten ist.


Wir hoffen ihr habt ein paar Anregungen gefunden, die euch den zukünftigen Auswahl der Spielzeuge für eure Kinder erleichtern.



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Weitere Artikel zum kindlichen Spiel:


Literatur:

Keppner Monika, Die Spielsache im Spannungsfeld zwischen Spielmittel und Spielware- Das kindliche Spiel als Herausforderung im 21. Jahrhundert, Eine pädagogische Untersuchtung, Waxmann Verlag, Münster und New York, 2015.

ÖKO-TEST, Dezember 2009, S. 52.

Zimpel, André Frank, Spielen macht schlau, Gräfe & Unzer Verlag, 2015.


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